Aktuelle Produktionen

Francesca Caccini

La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina

Opernprojekt der Schola Cantorum Basilensis

Premiere: 11.Mai 2012,Schola Cantorum Basilensis (Basel)

Die renommierte Musikerin Francesca Caccini wirkte als Sängerin, Ensembleleiterin und Komponistin hauptsächlich in Florenz. Sie erhielt ihre Ausbildung bei ihrem Vater Giuzlio Caccini. Der Auftrag zur Komposition von La liberazione kam ihr während der einzigen Phase weiblicher Herrschaft am Medici-Hof zu. Erzherzogin Maria Magdalena von Österreich (1587-1631) regierte von 1621-1628 gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter Cristina di Lorena (1565-1636) – vom Tod ihres Mannes Cosimo II. bis zur Volljährigkeit ihres ältesten Sohnes, des späteren Ferdinando II. La liberazione kann als Kulminationspunkt von Maria Magdalenas Bestrebungen zur Zurschaustellung weiblicher Regierungsfähigkeit angesehen werden, auch da die Uraufführung am 2. Februar 1625 in ihrem neu renovierten Witwensitz, der Villa Poggio Imperiale stattfand. Sie stimmte die Baumassnahmen und Bildprogramme dieses Gabäudes auch auf ihre politischen Anliegen ab. Aber nicht nur der Ort der Aufführung, sondern auch die Handlung und Musikalisierung von La liberazione greifen die aktuelle Gechlechterthematik des höfischen Umfeldes auf, in dem das Werk entstand: Ariosts Orlando furioso folgend, stellt die Handlung einen Mann, den Krieger Ruggiero, als Spielball zwischen zwei Frauengestalten dar: Die eine, die böse Zauberin Alcina, hält ihn auf ihrer Insel mit Verführungskünsten gefangen, indem sie sich mithilfe ihrer übernatürlichen Kräfte seinen Vorstellungen entsprechend äusserlich formt. Melissa, die gute Zauberin, erlöst Ruggiero aus dieser Verzauberung, indem sie ihm als Mann mit vernunftbetonter Argumentation gegenübertritt. Somit kann Ruggiero zu seiner wartenden Verlobten Bradamante zurueckkehren.

 

Emil Nikolaus von Reznicek

Ritter Blaubart

Märchenoper in drei Aufzügen
Libretto von Herbert Eulenberg

Premiere 4. Mai 2012 | Großes Haus

Musikalische Leitung: Dirk Kaftan
Inszenierung: Manfred Weiß
Bühne und Kostüme: Timo Dentler, Okarina Peter
Dramaturgie: Katharina John

Ritter Blaubart, düsterer Schlossherr mit faszinierender Wirkung auf das weibliche Geschlecht, überraschte einst seine Frau in den Armen eines Freundes. Fünf Ehefrauen hat Blaubart seitdem ermordet. Ihre Köpfe ruhen in einem Kellergewölbe der Burg. Auch Judith setzt Blaubart einem makabren Vertrauenstest aus: Er untersagt ihr bei Lebensgefahr, die Tür zu einer verbotenen Kammer zu öffnen. Doch sie widersteht der Versuchung nicht und entdeckt sein grausames Geheimnis. Weltberühmt und gleichzeitig unbekannt zu sein, ist das Schicksal des Komponisten Emil Nikolaus von Reznicek (1860–1945), der zu Lebzeiten in eine Reihe mit Richard Strauss und Hans Pfitzner gestellt wurde und dessen Name heute für ein einziges – das berühmteste – seiner Werke steht, die Ouvertüre zu seiner Oper Donna Diana. In seinem 1920 uraufgeführten «Ritter Blaubart», der kurze Zeit später an der Berliner Lindenoper zum Publikumsrenner wurde, gelang Reznicek eine atmosphärisch dichte und dunkel-sinnliche Deutung des bekannten Mythos.

Emil Nikolaus von Reznicek

Ernst Toch

Die Prinzessin auf der Erbse

Märchenoper nach H.C. Andersen

Premiere: 26.Februar 2012, Semperoper Dresden, Deutsches Hygiene-Museum Dresden

König und Königin sind schon alt, und der Prinz ist immer noch ohne Braut. Da taucht in einer Gewitternacht ein Mädchen in regennassen und verschmutzten Kleidern auf und behauptet, eine Prinzessin zu sein. Der Prinz verliebt sich sofort – doch wenn die Fremde nun keine Prinzessin ist? Man muss sie auf die Probe stellen, und wie ginge dies besser, als eine Erbse zwischen die Matratzen ihres Bettes zu legen. Eine echte Prinzessin würde das natürlich spüren ... Der Komponist Ernst Toch erhielt 1927 den Auftrag, eine Kurzoper für die Deutschen Kammermusiktage Baden-Baden zu schreiben, die damals das Zentrum zeitgenössischer Musik waren. Allein, es fehlte an einer zündenden Idee für das Libretto. Der Legende nach griff Benno Elkan, ein mit Toch befreundeter Bildhauer, wahllos ins Bücherregal und erwischte einen Band mit Märchen von Hans-Christian Andersen. Durch diesen Zufall entstand eine der musikalisch interessantesten Märchenopern des 20. Jahrhunderts, mit dem von Elkan verfassten Libretto, das mit expressionistischmarkantem Text und scharfsinnigem Witz ein anspruchsvolles Vergnügen für Jung und Alt ist. Uraufgeführt wurde das Werk 1927, im gleichen Jahr wie Paul Hindemiths «Hin und zurück», Darius Milhauds «Entführung der Europa» sowie Kurt Weills/Bertolt Brechts «Mahagonny».

Musikalische Leitung: Ekkehard Klemm
Inszenierung: Manfred Weiß
Bühnenbild & Kostüme: Okarina Peter, Timo Dentler
Dramaturgie: Anne Gerber
Chor und Orchester der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden
Der König: N.N.
Die Königin: N.N.
Der Prinz: Orlando Niz
Der Kanzler: Jeremy Bowes
Der Minister: Gerald Hupach
Die Amme: Sofi Lorentzen
Eine fremde Prinzessin: Vanessa Goikoetxea

Ernst Toch

Musiktheater nach dem Stück von Velimir Chlebnikov

Zangezi

Premiere: 14.Dezember 2011, Semperoper Dresden

Die Tradition der KOOP-Produktionen zwischen Semperoper Dresden, Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und Hochschule für Bildende Künste Dresden, die vor einigen Jahren im Rahmen von KlangNetz Dresden begründet wurde, wird mit der «Reihe Y» und dem Projekt «Zangezi» fortgeführt. Velimir Chlebnikov (1885-1922) war einer der großen Köpfe des russischen Futurismus zu Beginn des 20.

Jahrhunderts. Sein utopisches Denken umfasste eine universale Sternensprache, mathematische Formeln, mit denen man die Kriege der Menschheitsgeschichte errechnen und damit angeblich vorhersehbar machen konnte, sowie sinnig bis unsinnig tiefsinnige Poesie über Götter, Vögel und seine Heimat Russland – dies alles im unerschütterlichen Glaube an eine von Poetik und Ästhetik geprägte Zukunft des Menschen. Der russische Futurismus verstand sich als eine Gesellschaftsbewegung, die – ausgehend von Kulturarbeit – alte Grenzen überschreiten und neue Bereiche der Produktivität erschließen wollte. So bietet auch heute noch der «Zangezi»-Stoff für junge Künstler eine reizvolle Grundlage, um Wechselwirkungen von Komposition, bildnerischen Künsten und Sprachkunst auszutesten.

Labortheater der Hochschule für Bildende Künste Dresden

Musiktheaterprojekt nach Texten von Velimir Chlebnikov Kompositionen von Studierenden der Klasse von Prof. Manos Tsangaris Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden

Ausstattung von Studierenden der Bühnenbildklasse der Hochschule für Bildende Kunst Dresden

Velimir Chlebnikov

Chlebnikov Werke

Karl Amadeus Hartmann

Simplicius Simplicissimus

Premiere: 21.Oktober 2011, Semperoper Dresden

Der Schafhirt Simplicissimus, der «Allereinfältigste», flüchtet vor den Gräueltaten des Krieges zu einem Einsiedler. Nach dessen Tod gelangt er zum Gouverneur, der Gefallen an dem Burschen findet, da er immer naiv die Wahrheit sagt. Als Hofnarr nennt Simplicissimus zur Ergötzung und Erheiterung der reichen Gesellschaft deren Untaten beim Namen, bis hier in einem Rachefeldzug der Tod um sich schlägt und er alleine zurück bleibt. Als einen Komponisten, der «Bekenntnis ablegen» will, hat sich Karl Amadeus Hartmann einst bezeichnet. Mit der Kammeroper «Simplicius Simplicissimus» schuf er, dessen Werke von den Nationalsozialisten als «entartet» unterdrückt wurden, ein zeitloses Plädoyer gegen Gewalt und Schrecken. In dem als Vorlage dienenden Roman «Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch» aus dem Jahre 1669 verarbeitete Jakob Christoffel von Grimmelshausen das deutsche Trauma des 17. Jahrhunderts: den Dreißigjährigen Krieg. Mitte der 1930er Jahre, vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs sowie in Vorahnung der kommenden menschenverachtenden Gewalt, entdeckte Hartmann die aktuelle Brisanz dieses Stoffes und zugleich seine allegorische Zeitlosigkeit. 1949, nach der Uraufführung in Köln sowie ein Jahr vor der Dresdner Erstaufführung, schrieb die «Welt»: «Hartmanns Musik trommelt für die Ideale der Freiheit und sozialen Gerechtigkeit, sie singt wie mit Engelszungen von Güte und von Menschlichkeit.»

Musikalische Leitung: Erik Nielsen
Inszenierung: Manfred Weiß
Buhnenbild & Kostume: Okarina Peter, Timo Dentler
Chor: Christof Bauer
Dramaturgie: Nora Schmid
Sächsischer Staatsopernchor Dresden
Sächsische Staatskapelle Dresden
Simplicius Simplicissimus: Valda Wilson
Einsiedler: Timothy Oliver
Gouverneur: Tom Martinsen
Landsknecht: Allen Boxer
Hauptmann, Bauer: Matthias Henneberg
Dame: Lina Lindheimer

Simplicius Simplicissimus Narrenkappe

Henry Purcell

Dido & Aeneas

Premiere: 12.12.2010, Sächsische Staatsoper Dresden

Musikalische Leitung: Laura Poe

Inszenierung: Manfred Weiß
Dramaturgie: Stefan Ulrich
Dramaturgie: Cecilia Zacconi
Bühnenbild und Kostüme: Ilona Lenk

Elisabeth (Dido): Stephanie Atanasov
Meredith (1. Hexe, Frau): Susann Vent
Linda (Belinda): Romy Petrick
Anne (Aeneas): Dana Marbach
Judith (2. Hexe, Geist, Seemann): Valda Wilson
Helen (Zauberin): Karen Bandelow

1. Violine: Anna Fritzsch
2. Violine: Zsofia Posselt
Viola: Christina Kerscher
Violoncello: Constance Ricard

Dido and Aeneas
Bildnachweis: Matthias Creutziger

Johann Adolph Hasse

Il Tutore

Intermezzo in zwei Akten
Text von Bernardo Saddumene nach "La serve al forno" von Pier Giacopo Nelli
Uraufführung in Neapel 1730

Eugene Ionesco

Der Automobilsalon

Einakter

Premiere: 3.Oktober 2010, Semperoper Dresden

Musikalische Leitung: Johannes Wulff-Woesten
Bühnenbild: Arne Walther
Kostüme: Frauke Schernau
Dramaturgie: Sophie Becker
Es spielen: Nadja Mchantaf, Matthias Henneberg und Tom Quaas

Il Tutore
Bildnachweis: Matthias Creutziger

Guus Kuijer

Das Buch von allen Dingen (Musiktheater)

Zur Zeit in Arbeit: Das Libretto für ein Musiktheater nach dem Roman «Das Buch von allen Dingen» von Guus Kuijer. Der Komponist ist Clemens Nachtmann. Die Arbeit wird ermöglicht durch die Ernst-von-Siemens-Musikstiftung und soll Ende 2010 vorliegen. Die Uraufführung ist noch frei.

Thomas erkennt Dinge, die andere nicht sehen. Er sieht tropische Fische in den Grachten und wie schön Elisa mit dem Bein aus Leder ist. Er kann zu der Musik von Beethoven schweben, und er fühlt die Magie von Frau Van Amersfoort, die ihren Mann im Widerstand verloren hat. Thomas sieht sogar den Herrn Jesus, der ihm anbietet, ihn einfach nur Jesus zu nennen. Aber helfen kann ihm Jesus anscheinend trotzdem nicht. Wenn Thomas' bigotter Vater zuschlägt, dann schluchzen die Engel im Himmel und die ganze Welt steht still vor Entsetzen. Doch Thomas hat ein Ziel: Er will glücklich werden. Und deshalb muss er sehr mutig sein. Er beginnt, dem Vater alle Plagen Ägyptens zu bereiten – und plötzlich bekommt er dabei Hilfe.

Das Buch von allen Dingen von Guus Kuijer ist selbst so ein kleines Wunder, weil es einen verschluckt in eine strenge graue Welt, die traurig ist, aber nicht ohne Hoffnung. Ein Buch, das einen weinen lässt und lachen, das respektlos ist, aber voller Poesie. Das einen irgendwann entlässt mit dem Gefühl, dass es geht, das mit dem Glücklichwerden. 1000 und 1 Buch

Es braucht schon einen großen Autor wie Guus Kuijer, um eine Geschichte über häusliche Gewalt, über den Glauben an Gott, über die Angst und das Wachsen von Mut zu schreiben, ohne pathetisch zu werden. Für seine unverwechselbare Mischung aus Warmherzigkeit, leisem Humor und einem Quantum an Respektlosigkeit muss man Guus Kuijer und seine Bücher einfach lieben. Süddeutsche Zeitung

Das Buch von allen Dingen | Werbematerial | PDF

 

Edward Albee

Die Zoogeschichte

Premiere: 13. Februar 2010, Theaterhaus Stuttgart

Weitere Vorstellungstermine finden Sie im Kalender/Termine.

Jerry: Jerry Jan Krauter
Peter: Manfred Weiß
Regie und Ausstattung: Siegfried Bühr
Aufführungsrechte: S.Fischer Verlag Frankfurt
Fotos: Nik Schölzel

Edward Albee, Autor des modernen Klassikers «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?», schrieb sein erstes Stück, «Die Zoogeschichte» 1958 in einem wie er selbst sagt “dreiwöchigen Rausch”. Nachdem es von verschiedenen amerikanischen Bühnen zunächst abgelehnt wurde, kam es 1959 im Berliner Schiller Theater zur Uraufführung und hat seither zahllose Inszenierungen erlebt.

Die witzig beginnende Begegnung zweier Menschen im New Yorker Central Park wird zur immer dramatischeren Auseinandersetzung über grundsätzliche Fragen menschlicher Kommunikation. “Wenn wir in der Lage sind, uns so mißzuverstehen, warum haben wir dann das Wort ‘Liebe’ überhaupt erfunden?”, fragt Jerry sein Gegenüber Peter. Der muß die Antwort schuldig bleiben.

Der Einakter ist eine rhetorisch und dramaturgisch brilliantes und menschlisch einfühlsames Drama von zeitloser Aktualität.

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Edward Albee

Manfred Weiß, Jerry Jan Krauter
Probenfoto